Vom Pferdegöpel der Bergleute zur Weihnachtspyramide

Allmählich ging der Silber-Erz-Vorrat im Erzgebirge zur Neige. So kam es, dass im 19. Jahrhundert immer mehr Bergleute ihre Arbeit verloren. Die ungewohnt viele Freizeit war da wohl das geringere Übel, denn auch die Taschen der Bergleute blieben nun leer. Doch an einem mangelte es ihnen nicht – jede Menge Holz und Erfindergeist.

So kam es zur Entstehung unserer geliebten erzgebirgischen Weihnachtspyramiden.

Ihre Vorläufer waren sogenannte „Lichtgestelle“. Die wurden im 18. Jahrhundert in der Weihnachtszeit aufgestellt, um böse Geister und Dunkelheit zu vertreiben. Die „Lichtgestelle“ bestanden aus vier dünnen Hölzern, die wie ein Tippi miteinander verbunden wurden. Dieses Gebilde wurde mit grünen Zweigen und Kerzen geschmückt.

Unsere Bergleute aus dem Erzgebirge erinnerte das jedoch nicht an einem Baum mit Lichtern, sondern viel mehr an den Pferdegöpel, den sie für ihre tägliche Arbeit im Bergwerk zur Hilfe hatten. Der Göpel war eine Schachtförderungsanlage, die durch Wasser- oder Pferdekraft das abgebaute Erz aus der Grube förderte. Auch er hatte ein Gestell aus vier Holzbalken und wurde zudem durch im Kreis laufende Pferde angetrieben. Diese Kreisbewegung wollten die Bergleute auf das „Lichtgestell“ übertragen.

So wurde der Grundriss, der vier Hölzer, übernommen und in die Mitte des Gestells wurde ein beweglicher Stab mit verschieden großen Scheiben eingesetzt. Obendrauf brachten die Bergleute ein Flügelrad an, das sich durch die heiße Luft der Kerzen drehen sollte. Zuletzt bestückten sie die Scheiben mit detaillierten, handgeschnitzten Figuren – ein neuer Weihnachtsbrauch war entstanden.

Da die neuen „Lichtgestelle“ an die Pyramiden aus der Wüste erinnerten, entstand der Name „Peremett“ (Mundart erzgebirgisch) und festigte sich in den Köpfen und Herzen der Erzgebirgler.

Zunächst waren die Weihnachtspyramiden nur in wenigen Haushalten zu finden. Die damals erhältlichen Talgkerzen waren einfach zu teuer. Doch 1830 brachte die Entdeckung von Paraffin für Kerzen den gewünschten Aufschwung. Die billigeren Kerzen konnten sich nun alle leisten. Von da ab war die „Peremett“ in allen erzgebirgischen Wohnstuben zu finden.

Doch die Geschichte der Weihnachtspyramide sollte weiter gehen. 1926 hatte der Steiger Traugott Pollmer die Idee für eine „Pyramide für Alle“ – eine riesengroße Pyramide die im Freien aufgestellt werden sollte. Doch erst 1931, drei Jahre nach seinem Tod, begann der Schnitzverein Frohnau mit der Arbeit an einer Freilandpyramide. Diese wurde am 17. Dezember 1933 feierlich eingeweiht.

Ab 1990 erlebten die Freilandpyramiden einen regelrechten Boom. Fast jeder Ort im West- und Osterzgebirge baute sich seine eigene Pyramide.

Auch heute noch ist eine Freilandpyramide wichtig für Gemeinden. Das Bild der sanft mit Schnee bedeckten Riesenpyramiden, die leise ihre Runden drehen sorgt für Besinnlichkeit, weckt Erinnerungen und lässt alle ein wenig enger zusammen rücken.

Genau an dieser Stelle setzt die Zimmerei. Holzbau. Jörg Kunze an – nimmt sich diese besondere erzgebirgische Tradition zu Herzen und möchte sie für Gemeinden und Einkaufs-Center zugänglich machen.